Biographien

Joseph Mohr

 

Mohr – sein Wesen ist jugendlich, unbesonnen und hingebend

Am 11. Dezember 1792 hatte die unverheiratete Strickerin Anna Schoiber, 35-jährige Tochter eines Halleiner Salzamtschreibers, das dritte ihrer vier ledigen Kinder im Nöstlerhaus Nr. 427, der heutigen Steingasse 9, in Salzburg zur Welt gebracht. Der angebliche Vater von Joseph Mohr, der aus Mariapfarr im Lungau stammende Soldat des Salzburger Militärs, Joseph Franz Mohr (1764-1814), war seit dem 21. Juni 1792 fahnenflüchtig. Erst eine finanzielle Unterstützung des Salzburger Domvikars Johann Nepomuk Hiernle (1765-1850) ermöglichte Joseph ein Studium. Der aufgeweckte Schüler zeigte bald großes Interesse an Musik und tat sich als Sänger und Violinist bei Aufführungen des Lyzeums und des Benediktinerklosters St. Peter in Salzburg hervor.

Von 1808 bis 1810 studierte Mohr Philosophie am Gymnasium des Benediktinerstiftes Kremsmünster in Oberösterreich; auch hier beteiligte er sich rege am Musikleben. Bis zu seiner Priesterweihe am 21. August 1815, studierte er Theologie an der Universität in Salzburg. Seine Vorgesetzten urteilten wenig später über ihn: „Sein Wesen ist noch jugendlich, unbesonnen, hingebend – Purschenmäßig geht er mit der langen Tabakpfeife, den Beutel an der Seite, über die Gassen“ (Pfarrprovisor Nöstler am 5. Oktober 1818 in einem Beschwerdebrief an das Konsistorium in Salzburg).

Mariapfarr. Hier schrieb Joseph Mohr den Liedtext

Die ersten Stationen als junger Priester führten Mohr nach Ramsau bei Berchtesgaden und Mariapfarr im Lungau, der Heimat seines angeblichen Vaters. Das rauhe Klima behagte dem physisch schwächlichen Mohr nicht. Den Genesungsurlaub verbrachte er in Salzburg. Der aus Mariapfarr gebürtige Pfarrprovisor Joseph Kessler (178-1850) suchte um Versetzung an und Mohr wurde am 18. Oktober 1817 als Coadjutor der Pfarre St. Nicolaus in Oberndorf bestellt.

Joseph Mohr wuchs in einfachen Verhältnissen auf

Viele Beschwerden, welche der Nachfolger von Pfarrprovisor Kessler, Georg Heinrich Joseph Nöstler (1770-1826), gegen seinen Hilfspriester führte, sollen ihn zu einem Gesuch um Versetzung veranlasst haben. Wie zu dieser Zeit üblich, durchlief der junge Priester eine Reihe weitere Stellen in Pfarren im Salzburger Land. Ein Grund für die oftmalige Versetzung des jungen Priesters dürfte jedoch weniger in der schlechten Dienstbeschreibung als vielmehr im schlechten Gesundheitszustand zu suchen sein. Ein ärztliches Zeugnis vom 17. August 1824 stellte eine wohl erblich bedingte Anlage zur Lungenschwindsucht fest. Nur drei Jahre darauf starb seine Mutter an einer Lungenkrankheit.

1827 kam Mohr nach Hintersee, wo er bald mit dem Amt des Vikars betraut wurde. Seine letzte Stelle trat er 1837 in Wagrain als Pfarrvikar an. Sein Wirken beschränkte sich dort nicht nur auf die Seelsorge, er setzte sich für soziale und pädagogische Verbesserungen im Ort ein. Mohr erlag am 4. Dezember 1848 in Wagrain den Folgen einer Lungenlähmung.

Franz Xaver Gruber

 

Gruber – ein Leben für die Musik

Franz Xaver Gruber wurde am 25. November 1787 den Leinwebersleuten Joseph und Anna Gruber, geb. Danner, in der Pfarre Hochburg geboren. Vom Vater war Franz Xaver für das Weberhandwerk bestimmt, von dem man nur schlecht leben konnte. Der Schulmeister des Ortes, Andreas Peterlechner (1766-1836), erkannte bald die Begabung seines Schülers und widmete sich seiner musikalischen Instruktion. Er überredete den Vater, dem Jungen die Ausbildung zum Lehrer zu ermöglichen.

Peterlechner hat Gruber wahrscheinlich auch ersten Unterricht im Orgelspiel erteilt, das er 1805 und 1806 beim Stadtpfarrorganisten aus Burghausen, Georg Hartdobler, vervollkommnete. In den Jahren darauf bereitete sich Gruber auf den Lehrerberuf vor. Die benötigten Prüfungen legte er 1806 in Ried i. I. ab und wiederholte sie im folgenden Jahr in Salzburg, um auch hier die Lehrbefugnis zu erhalten. Die vorgeschriebene Schulgehilfenzeit absolvierte er bei Peterlechner. Seinen ersten selbstständigen Dienst trat er am 12. November 1807 in Arnsdorf an. Da das Gehalt sehr karg war, besserte er es sich mit Einkünften aus Mesner- und Organistendiensten auf.

Bereits früh begann Gruber zu komponieren. Als ehestes Werk gilt, einer späteren Erwähnung in der Literatur zufolge, ein „Predigtlied auf die heilige Fastenzeit“, das mit 1804 datiert ist. Viele seiner in Arnsdorf entstandenen Werke waren für bestimmte Anlässe gedacht. so auch das Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“.

Von 1816 bis 1829 versah Gruber zudem den Kantoren- und Organistendienst an der St.-Nikola-Kirche im nahen Oberndorf. Die erhoffte Stelle als Lehrer ebendort blieb aber unerreichbar, da die Benediktinerabtei von Michaelbeuern, zu der die Schule von Arnsdorf gehörte, keine Freigabe erteilte. Auch die 1827 freigewordene Mesnerstelle in St. Nicolaus erhielt Gruber nicht. Daraufhin kündigte er seinen Dienst und bewarb sich 1829 erfolgreich um die freie Stelle als Lehrer und Mesner in Berndorf. Hier wirkte er vier Jahre lang.

Sein Zeugnis bescheinigte Grubers pädagogisches Talent. Als ihm die Stelle eines Chorregenten und Organisten an der Stadtpfarrkirche Hallein angeboten wurde, zögerte er nicht lange, da er dadurch seine Berufung als Musiker bestätigt sah. Vom Zeitpunkt seiner Ernennung, den 2. Juli 1835 an, stand Musik im Vordergrund seiner beruflichen Tätigkeit. Die Chorregentenstelle verschaffte ihm ein entsprechendes Ansehen in der Bürgerschaft. In den nahezu drei Jahrzehnten seines Wirkens gelang Gruber die Neuorganisation der Kirchenmusik an der Stadtpfarrkirche. In dieser Zeit entstanden zahlreiche seiner Kompositionen. Regen Anteil nahm er auch am bürgerlichen Musikleben und zählte 1848 zu den Gründungsmitgliedern der Halleiner Liedertafel, bis er am 7. Juni 1863, nach 28-jähriger Wirkungszeit, an Altersschwäche verstarb.