Verbreitungsgeschichte

New York, die Rainer-Sänger sangen das Lied vor der Holy-Trinity-Church

 

Lange Zeit galt „Stille Nacht, Heilige Nacht!“ als „Volkslied“. Also ein Liedtypus, mit dem nicht nur die lyrische Gattung, deren Kennzeichen leichte Sangbarkeit sondern die Herkunft aus dem Volk und Anonymität verbindet. In dieser Anonymität blieb es lange Zeit, wenn man will, letztlich bis zum Jahre 1995, als die Entstehung endgültig mit der Auffindung und Zuordnung jenes Autographen, der sich nun im Salzburg Museum befindet, geklärt wurde. Das einzige Autograph aus der Hand von Joseph Mohr weist den Schriftzug „Text von Joseph Mohr 1816“ auf. Das Autograph entstand vor 1830, eine Untersuchung legt nahe, dass sich die Datierung „1816“ auf den Zeitpunkt der Abfassung des Textes bezieht. Das Autograph enthält weiters die Textzeile „Melodie von Franz Xaver Gruber“, somit ist auch die Urheberschaft der Komposition geklärt.

„Urschrift“ fehlt
Weder Zeitzeugen noch überlieferte zeitnahe Berichte jener Ereignisse der Entstehung des Liedes im Jahre 1816 in Mariapfarr und 1818 in Arnsdorf sowie in Oberndorf, wo das Lied erstmals erklungen ist, sind vorhanden. Selbst die „Urschrift“ ist nicht überliefert. So ist man im Wesentlichen auf „Beurkundungen“ der Autoren Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr oder Aussagen und Betrachtungen von Dritten angewiesen. Die „Unschärfe“ in der Entstehungsgeschichte hat selbst so manche seriöse Autoren, die darüber berichteten, wie Karl Heinrich Waggerl oder Luis Grundner, zu vielfältigen Auffassungen kommen lassen.

Von unwahren und spekulativen Entstehungsgeschichten, von Geschichten aus dem Volk, die allerdings große Verbreitung fanden, soll hier erst gar nicht gesprochen werden. Auch nicht von politisch motivierten Versuchen von Umdichtungen. Es soll der Weg beschrieben werden, welchen die Wissenschaft zur Erforschung der Entstehung des Liedes begangen hat. Es handelt sich dabei um die Autographen und die „Authentische Veranlassung“: Mehrere frühe handschriftliche und gedruckte Überlieferungen zu „Stille Nacht!“ sind aus dem 19. Jahrhundert überliefert, ebenso wurden mehrere Abschriften angefertigt, etwa von Blasius Wimmer 1819, Johann Baptist Weindl 1822 und Johann Reinhartshuber 1826. Weitere Abschriften, die von 1840 bis 1860 entstanden sind, stammen in der Regel von Lehrern und Organisten aus dem regionalen Raum. Die ersten Drucke des Liedes stammen vermutlich aus den Jahren 1833 und dem Folgejahr von August Robert Friese aus Dresden. Im Jahr 2016 entdeckte Michael Neureiter einen Druck, der in Steyr bei Joseph Greis „gedruckt und zu haben“ war.